Die (hoffentlich) letzte Durchfall-Anekdote

Ersatz für das zur Neige gehende Imodium zu bekommen schien uns nicht sonderlich schwer: Farmacias gibt es hier wie Sand am Meer, und der auf der Packung aufgedruckte Wirkstoff-Name dürfte wohl international verständlich sein. Also haben wir der Apothekerin kurzerhand die Packung deutscher Tabletten gereicht und ihr klar gemacht, dass wir eine mit gleicher Wirkung benötigen. Aber irgendwie kam diese Message nicht wie beabsichtigt an. Sie studierte die Packung zwar ausführlich, konnte aber nichts damit anfangen. Ob der Wirkstoff hier doch anders heißt? mit ein paar Brocken spanisch (wir) und noch weniger Brocken englisch (die Apothekerin) versuchten wir, unser Anliegen zu klären. Als das nicht fruchtete (sie mutmaßte zwischenzeitig wohl, ich hätte Halsweh), habe ich mich dazu erniedrigt, Durchfall pantomimisch dazustellen, und das mit vorne und hinten jeweils mit einem schweren Rucksack bepackt. Das scheint funktioniert zu haben, denn sie verschwand kurz und überreichte uns eine Packung Tabletten mit dem Aufdruck IMODIUM!

Anmerkung: glücklicherweise ist diese Packung bis heute, also 3 Tage später, noch ungeöffnet.

Mal verliert man, mal gewinnen die anderen

Wir haben jetzt 7 Uhr morgens und sind in Trujillo, einer von Pizarro an historisch vorbelastetem Ort gegründeten Stadt. Mittlerweile hat der Krach vor unserem „verkehrsgünstig gelegenen“ Hotel ein schwer erträgliches Maß angenommen. Das macht aber nichts, erstens hätten wir demnächst ohnehin aufstehen müssen, um unsere Tour zu den prä-kolumbianischen Stätten und Museen nicht zu verpassen, und zweitens hätte die extrem durchgelegene Matratze ein Weiterschlafen ohnehin verhindert. Ich glaube, man kann es schon zwischen diesen ersten Zeilen lesen: richtig gute Freunde werden diese Stadt und ich nicht!

Trotz Lärm (der zugegebenermaßen während der Nacht erträglich war) und unbequemer Unterlage haben wir heute Nacht wie die Steine geschlafen (und das fast 12 Stundenlang). Das dürfte daran liegen, dass die letzten 36 Stunden insgesamt ziemlich anstrengend waren.

Das fing in Vilcabamba an: das Zimmer mussten wir um 12 Uhr räumen, unser Nachtbus in Richtung Peru ging aber erst um 11 Uhr abends. Und da in diesem Dorf letztendlich, der, wenn auch ziemlich langlebige, Hund begraben ist, haben wir beschlossen, noch einen kleinen Hike zu machen. Dazu soviel: mit akutem Durchfall und ohne (den bereits ordentlich verstauten) Sonnenschutz war das vielleicht keine ganz so gute Idee. Sich mal eben in’s Unterholz schlagen ist hier nicht ohne weiteres möglich, da selbiges konsequent mit Stacheldraht geschützt war, obwohl es dort in unseren Augen außer Steinen und Unkraut nichts zu schützen gab. In meiner Verzweiflung war ich mir ziemlich sicher, dass die Zäune einzig dem Schutz vor dem Missbrauch des Terrains durch diarrhoeische Gringos dienen.

Die Sonnenbrandgefahr ließ nach, als sich der nachmittägliche Regenguss ankündigte. Diese Ankündigung war so imposant, dass wir beschlossen haben, unsere Tour etwas zu verkürzen. Tatsächlich haben wir es gerade noch in ein Taxi geschafft, als der Himmel seine Schleusen auftat. Die Fahrt wurde zu einem Anschauungsunterricht zum Thema Boden-Errosion und durch gelegentlich umherfliegende Metall-Platten behindert. Unser Fahrer war von diesem Schauspiel fast genauso beeindruckt wie wir, und ich denke, das wird nicht seine erste Regenzeit sein. Ob das evtl. doch was mit dem Klima-Wandel zu tun haben könnte?

Zurück in der Lodge mussten wir ca. 2 Meter zwischen dem Taxi und einem schützenden Dach zurücklegen. Das reichte, um ziemlich nass zu werden. Auch das Dach erwies sich als nicht ganz so schützend, da der Regen von allen Seiten kam. An dieser Stelle sollte ich evtl. mal den Begriff „Lodge“ kurz erklären: zumindest hier handelt es sich dabei um ein Ensemble mehrerer überdachter, aber nach den Seiten offenen Plätzen. Dort befinden sich die öffentlichen Bereiche, z.B. das Restaurant oder der Aufenthaltsraum. Der einzige echt umbaute (und damit effektiv vor Regen und der mittlerweile dazugekommenen Kälte schützende) Raum sind die Cabañas, also die Schlafhütten. Zu der hatten wir natürlich keinen Zugang mehr, und so froren wir uns auf einer durchweichten Hängematte liegend den Bibbel ab.

Irgendwann beschlossen wir dann, unser Warten in’s Bus-Terminal zu verlagern, in der Hoffnung, dass es dort etwas wärmer sein könnte. Tatsächlich fanden wir dort ein McD-Imittat, in dem wir noch ein paar Stunden, an einem Bierchen nuckelnd und in eine ausführlich Spiegel-Lektüre vertieft, verbringen konnten.

Soweit der erste Teil, Birgit hat gerade ihren Fön zum Explodieren gebracht (hier in Peru gibt es wohl 230V Netzspannung). Wir machen uns jetzt fein für die Tour de Kultur (das mit der Fön-Frisur wird heute wohl nix), der Rest folgt dann heute Abend.

Vilcabimbes, Hauptstadt der Zottel und Ausgestiegenen

Und wieder mal liege ich in einer Hängematte, mittlerweile funktioniert das Tippen hier auch schon ganz flüssig. Wir befinden uns jetzt auf unserer letzten Etappe in Ecuador, in Vilcabamba. Die Betreiber dieser Lodge heißen Peter und Dieter und gestern Abend haben wir uns eine ordentliche Portion Kässpätzle gegönnt. Die waren zwar lecker, haben aber meinen Verdauungstrakt daran erinnert, dass er noch eine Rechnung mit mir offen hat. Wie dem auch sei, von so einer Kleinigkeit wie einem nächtlichen Pendelverkehr zwischen Zimmer und geteiltem Abort (komischer Ausdruck, kommt wahrscheinlich vom englischen „shared“ Bathroom) lass ich mir doch den Urlaub nicht verderben!

Wie schon geschrieben lagen zwischen dem Dschungel und hier noch 2 Nächte in Cuenca. Das ist nicht nur die Heimat des Panama-Huts, sondern auch ansonsten eine lebendige, „schmucke“ und sehr internationale Stadt, eindeutig die angenehmste Großstadt, in der wir bis jetzt hier waren. Von dort aus hieß es mal wieder fast einen ganzen Tag im Bus zu verbringen. Erst dachte ich, unser Bus sei kaputt, weil er so komisch klang. Nach einer Weile habe ich dann kapiert, dass er mit einer Wirbelstrombremse ausgestattet ist und das komische Geräusch das fehlende, mittlerweile so vertaute Pumpen der Bremse war.

Zu Vilcabamba: das Dorf nennt sich selbst „das Dorf der ewigen Jugend“, da es hier wohl signifikant viele Ü100 gibt (ich meine Jahre, nicht Kilo!). Warum dem so ist, darüber gibt der Wiki-Artikel eine ziemlich spekulative Antwort, in der auch bewusstseinserweiternde Substanzen eine Rolle spielen. Von diesem Umfeld fühlen sich natürlich Zottel und Esos aus aller Herren Länder, vor allem aber, wie kann es anders sein, aus Deutschland angezogen. Mehr als einmal kam mir der Gedanke, dass hier am Ort noch ein Kamm-Geschäft fehlt. Dafür kann man an jeder Ecke in seiner Muttersprache (oder noch schlimmer: Österreichisch) um den Preis für kleine Kunsthandwerk-Objekte (garantiert kein Kitsch!) feilschen.

Was die Bewusstseins-Erweiterung angeht: ich bleibe lieber beim traditionellen, nass-chemischen Verfahren. Zu diesem Zweck wird hier übrigens zu den Kässpätzle ein ganz ordentlicher chilenischer Roter  serviert, der mir aber wegen meines „Malörchens“ auch nicht so recht munden wollte.

Heute Morgen waren wir wandern, aber nur eine kleine Tour (ca. 4 Stunden), da die größeren und anspruchsvolleren nur mit Guide möglich sind (was nicht unwesentlich mit Raubüberfällen zu tun hat). Jetzt zieht sich gerade der Himmel wieder zu und in spätestens 1/2 Stunde wird es hier wieder für ca. eine halbe Stunde Katzen und Hunde regnen. Laut Dieter ist das hier normal, schließlich ist gerade Regenzeit. Zu unserem Pech mussten wir gestern just während dieser halben Stunde ankommen, was dazu führte, dass wir erstmal den Inhalt unserer Rucksäcke trocken legen mussten (@Artur: auch unsere Rucksäcke sind nicht wirklich wasserdicht).

Für heute Abend haben wir eine 75-minütige Ganzkörper-Massage bestellt, die uns hoffentlich optimal auf die ca. 10-stündige Busfahrt nach Peru vorbereiten wird. Zusammenfassend können wir für Ecuador sagen: alle relevanten Sehenswürdigkeiten sind abgehakt und der Zeitplan ist nur minimal überzogen.

Sonderausgabe „Fleisch“

Da ich mich immer noch ziemlich „leer“ fühle, gibt es heute nur diese kurze Status-Meldung: nach schlappen 18 Stunden Busfahrt, auf der wir ca. 470 km hinter uns gebracht haben, sind wir jetzt in der Heimatstadt des Panama-Huts, in Cuenca (immer noch in Ecuador!).