Aus, Schluss, Vorbei

Eigentlich schreibe ich diesen Eintrag jetzt nur weil ich es einfach blöd fände, diesen Thread so abrupt enden zu lassen.

Ursprünglich hatten wir ja vorgestern noch vor, in den paar uns verbleibenden Stunden all das nachzuholen, was wir die Tage vorher nicht geschafft haben. Und diese Liste war lange:

  • eine Thai-Massage verpassen lassen
  • einen Cocktail trinken, vorzugsweise auf einer coolen Dach-Bar
  • Nudelsuppe mit Bluteinlage essen (ok, das stand nur auf meiner Agenda)
  • mich mit Monats-Kontaktlinsen eindecken, die dort (gleiches Produkt) nur ein Bruchteil kosten
  • uns in China-Town ein gefälschtes Heavy-Metal T-Shirt kaufen

Natürlich hätten wir das alles, und noch viel mehr, gemacht, wenn da nicht diese vermaledeite Magen-Darm-Geschichte, zu der sich mittlerweile auch noch Gliederschmerzen gesellte, gewesen wäre. So blieb uns aber nichts übrig, als das wohl-klimatisierte Hotelzimmer zu hüten und dabei eine sehr unruhige Nacht zu verbringen.

Statt Frühstück habe ich mir dann gestern morgen in der Apotheke ein verschärftes Medikament besorgt (Stichwort: „stop toilet“), um den Flug halbwegs unbeschadet zu überstehen. Das Medikament hat so wunderbar gewirkt, dass ich mir am Flughafen erstmal einen ordentlichen BK-Burger gönnen konnte. Der Flug verlief pünktlich und reibungslos, beim Umsteigen in Istanbul lag Schnee, unser Gepäck ist gemeinsam mit uns in DüDo angekommen.

Heute hat mich jemand gefragt, ob sich so eine weite Reise für nur eine Woche denn lohne. Dazu kann ich jetzt ganz klar sagen: auf der einen Seite ja ;-)

PS: Weiß eigentlich jemand, warum man im Duty Free Shop jede Menge Parfum, aber kein After-Shave kaufen kann?

Fahrenheit 100

Heute waren wir am heißesten Ort des Planeten. Diese Aussage konnten wir zumindest der Weltweit-Wettervorhersage auf Deutsche Welle entnehmen. Dort wurden für Bangkok heute 37 Grad prognostiziert, und damit mehr als an allen anderen aufgeführten Orten. Dies und unser etwas angekratzter Gesundheitszustand ließ unseren Aufenthalt auf dem Irgendwas-Weekend-Market eher zur Qual als zum Vergnügen werden. Ich erspare mir hier die Worte, wie unglaublich heiß und voll es dort war. Die Auswahl an (seltener) mehr, (meist) weniger echten T-Shirts, Sonnenbrillen, Sportschuhen und ähnlichem war, mal wieder, überwältigend. Wir haben ein T-Shirt (bestimmt ganz original!) und 2 Paar Chucks (ganz offizielle Lizenz-Produkte made in Thailand) erworben. Dann sind wir ganz schnell zurück in Richtung klimatisiertes Hotel geflüchtet. Auf dem Weg dorthin haben wir bei 7-Eleven noch einen Sack Eiswürfel erworben. Leider hat der beim Auftauen eine Rolle Klopapier unbrauchbar gemacht, so dass ich wahrscheinlich gleich noch an der Rezeption um Ersatz fragen muss.

Schichtwechsel

Die Ordnung der Dinge ist wiederhergestellt: der Zustand, dass ich von der Diarrhoe niedergestreckt nur eingeschränkt urlaubsfähig bin, während Birgit sich bester Gesundheit erfreut, kratzte doch etwas an meiner Ehre. Birgit dachte schon daran, mir den Titel „ein Magen wie ein Zuchthaus“ abzuerkennen. Seit heute Nacht sind die Verhältnisse wieder normal. Zwar geht es mir noch nicht richtig besser, dafür liegt Birgit jetzt richtig und im wahrsten Sinne des Wortes danieder. Nachdem ich den Belegungsplan für die Toilette für die paar verbleibenden Stunden mit Hilfe von MS Project erstellt habe, möchte ich jetzt noch einige Worte über gestern und heute zu Protokoll geben.

Doch vorher noch ein Einschub: gerade haben sich unsere fränkischen Landsleute, die wohl auf dem gleichen Flur untergebracht sind, lautstark vor unserer Tür darüber unterhalten, dass sie sich jetzt sputen müssen, um noch am „international buffet“ des Hotels (für 199 Barth) teilzuhaben. Wenn ich die Qualität und Anmutung des Frühstücksbuffets auf ein Brunch-Büffet für umgerechnet ungefähr 5 Euro übertrage, kann ich mir das definitiv nur gruselig vorstellen. Und das, während man sich beim fliegenden Händler an der Ecke für 20 oder 30 Barth kleine Portionen der leckersten Thai-Gerichte holen kann. Auf der anderen Seite … das Hotel-Essen ist sicher weit weniger stark gewürzt und bestimmt „schlacke-frei“.

Außerdem musste ich gerade beim Reinigungspersonal auf dem Flur um eine zweite Rolle Klopapier betteln (die mir nur unter Gekicher gereicht wurde). Hätten wir uns immer beim Hotel-Büffet den Bauch vollgeschlagen, wäre mir diese Schmach sicher erspart geblieben.

Um einen falschen Eindruck zu vermeiden muss ich hier kurz mal zum Thema fremdartiges Essen und unserem Verdauungstrakt ernsthaft werden: zu evu.it-Zeiten hatten wir einen indischen Kollegen, der seine Speise-Wahl in der Kantine stets sehr behutsam treffen musste, um nicht für den Rest des Tages seine Arbeitszeit dem Arbeitgeber zu entziehen. Das soll zeigen, dass Verdauungsprobleme weit weniger mit Hygiene als mit Gewohnheit zu tun haben. Der Kollege ernährte sich im Endeffekt übrigens fast ausschließlich von Pommes Frites.

So jetzt aber zu gestern Abend: da stand China Town auf dem Programm, das laut Reiseführer als Blaupause für nahezu jede Stadt auf dem chinesischen Festland dienen kann. Damit erwartete uns ein Kontrastprogramm zu den 2 Bangkoks, die wir bisher kennengelernt haben: dem Glas- und Stahl Bangkok der Banken und Großkonzerne, das, zumindest von der Architektur, auch New York, Tokio oder Frankfurt heißen könnte, und das Bangkok der goldenen Tempel, Pagoden und Buddha-Statuen. China Town ist bunt, laut, und selbst für hiesige Verhältnisse unheimlich voll und lebhaft. Jedes zweite Lokal bietet Haifischflossensuppe als Spezialität an, jedes zweite Geschäft verkauft Flachbildfernseher, dazwischen Silber, Gold, Geschmeide und klassische Import-Export-Läden (will sagen: Kitsch!). Und dann das Schneiderhandwerk: thai-chinesische Meister, die gerne mal Mr. Boss oder Mr. Armani heißen, bieten für 199 Euro zwei maßgefertigte Anzüge inkl. 2 Hemden und Krawatten an (Anmerkung: ich weiß nicht, ob das uns Deutschen geschuldet ist, aber hier ist tatsächlich neben dem einheimischen Barth der Euro die Leitwährung. Kennzeichnungen in Dollar begegnen einem nie!)

Allen 3 Bangkoks gemein ist das rege Treiben der fliegenden Händler, die auf jedem verfügbaren Quadratmeter Gehsteig ihre Waren und Speisen zum Besten bieten. Dort hätten wir auch die einmalige Chance gehabt, frittierte Heuschrecken, Maden und Schaben zu verspeisen. Leider konnte ich weder Birgit noch meinen Magen davon überzeugen!

Nördlich an China-Town schließt sich ein indisch-muslimisch dominiertes Viertel an, in dem auf einem riesigen Blumenmarkt rund um die Uhr vorwiegend gelbe Blumen und Blüten den Besitzer wechseln.

alte Eier

Im Beipackzettel unseres Durchfall-Mittels steht, dass man schlacke-haltige und stark gewürzte Speisen meiden soll. Das habe ich dann gestern Abend auch in der Garküche unserer Wahl bei meiner ersten festen Mahlzeit seit 48 Stunden nach bestem Wissen und Gewissen getan. Zumindest bin ich mir ziemlich sicher, dass „hot and spicy“ nicht schlacke-haltig heißt (Memo an mich: googeln, was schlacke-haltig in Zusammenhang mit Lebensmittel bedeutet).

Und so habe ich wieder eine Nacht zwischen Bett und Waschraum verbracht. Birgit hat zwischenzeitig schon geunkt, ob ich nicht ein Buch über die „Alte-Eier-Diät“ veröffentlichen will.

A propos alte Eier: die Nacht war nicht nur von einem Zwicken in der Magengegend geprägt (warum spricht man eigentlich immer von Magen wenn man Dünnschiss meint?), sondern auch ziemlich kurz. Denn um 7 Uhr sollten wir zum absoluten Muss für jeden Thailand- (Pauschal-) Touristen abgeholt werden, dem Besuch der schwimmenden Märkte. Diese Märkte sind eine reine Inszenierung für Touris und sollen an eine Zeit erinnern, als das Leben hier hauptsächlich am und auf dem Wasser stattfand. Und so wird man dann durch Kanäle, oder Klongs, wie die hier heißen, gepaddelt und kann dort allerhand Waren, von der baumfrischen Banane bis zur garantiert unechten Lois-Vuitton-Handtasche wohlfeil (oder wie das hier wohl heißt: chiiip-chiiip) erwerben. Leider hatte der Bus eine ¾ Stunde Verspätung, wohl weil er uns in einem anderen Ibis-Hotel gesucht hat. Um nochmal das Thema alte Eier aufzugreifen: im Bus saß bereits ein älterer Amerikaner (Engländer? – eher unwahrscheinlich) mit 4 offensichtlich gemieteten Thai-Boys. Auf dem Rückweg setzten wir diese Gesellschaft im Hilton Hotel ab, ich frage mich, bei welchem Veranstalter man eine solche Pauschalreise buchen kann?

Der Vollständigkeit halber will ich hier die letzten beiden Tage nicht unterschlagen: vorgestern haben wir es dann im dritten Anlauf tatsächlich geschafft, den Königspalast zu besuchen. Der König, der im Straßenbild allgegenwärtig ist und wohl auch anderweitig hoch verehrt wird, residiert dort zwar nichtmehr, trotzdem stellt die Anlage sowas wie das religiös-politische Zentrum des Landes dar. Der ganze Komplex ist schwer goldschimmernd und ziemlich beeindruckend, und, das Beste: es gibt dort Toiletten! Wer mehr darüber wissen möchte: Lonely Planet Reiseführer und Wikipedia halten ausführliche Informationen parat, die wir gerne, bei Bedarf, mit über 1.000 Bildern von Tempeln, Kapellen, Buddhas, Drachen und ähnlichem anreichern können. Eine ausführliche Beschreibung der sanitären Anlagen übernehme ich gerne persönlich.

Gestern waren wir dann im Bezirk Banglampu. Dieser Stadtteil ist bekannt als der Schmelztiegel für das Gegenteil von Pauschaltouristen, also Backpacker und Flashpacker. Hier fokussiert sich ganz Bangkok/ ganz Thailand/ ganz Süd-Ost-Asien in einer Straße. Hier können Visa für den Sprung nach Downunder ebenso wie gefälschte Bundesrepublikanische Führerscheine erworben werden, Viagra vom fliegenden Händler hilft einem, seinen Mann auch in der härtesten Situation zu stehen, es werden Cocktails mit dem Prädikat „very strong“ serviert und man fühlt sich sofort wie bei Freunden („where are you from my friend? wanna buy …? Chiiip-chiiip!“).

Auf meinen geplanten persönlichen Höhepunkt dieses Tages musste ich leider verzichten: in einem etwas abseits (wo auch sonst?) gelegenen Lokal soll es laut Reiseführer die besten „Trinker-Nudel“ der Stadt/ des Landes/ des Kontinents geben. Dieses würzige, scharfe und wahrscheinlich auch schlacke-haltige Gericht konnte ich meinem Verdauungstrakt aber nicht zumuten. Schon beim Geruch hat es mir den Magen umgedreht (und diesmal meine ich wirklich den Magen).

Und wer wissen will was Flashpacker sind: laut Reiseführer sind das Backpacker, die es zu etwas gebracht haben und sich daher nichtmehr mit Stockbetten zufrieden geben.

 

Non, je ne regrette rien

So, mittlerweile haben wir Freitag Abend. Wir sitzen wieder vorm Hotel auf der Terrasse, neben uns ein Tisch mit 4 Franken, die nichts anderes zu tun haben, als sich über Telefon-Vorwahlen („Deitschland ist doch blus blus vier neun, oderrrr?“), Zeitzonen- („bei uns is’ jetzt Oowend“) und Klimaunterschiede zu unterhalten („… wooos, ihr habt’s 10 Grad? Drauß’n oder in der Wohnung, hahahaha …“).  Das Leben als Pauschal-Tourist ist schon hart …

Doch jetzt zu etwas wirklich lästigem: wären wir in Südamerika, würde ich an dieser Stelle schreiben, dass mich Montezumas Rache niedergestreckt hat. Oder anders ausgedrückt: ich habe die letzten beiden Tage vorwiegend in gekachelten Räumen zugebracht. Sicher bin ich zwar nicht, aber mit großer Wahrscheinlichkeit war ein Gericht namens „aged eggs“ an meiner kleinen Indisponiertheit schuld. Die habe ich mir nämlich vorgestern Abend in einer von Touristen kaum frequentierten Garküche bestellt. Das entsetzte Gesicht der Bedienung und das mit etwas Phantasie durchaus verständliche „you really wanna eat this?“ habe ich als direkte Anerkennung meiner kulinarischen Weltoffenheit interpretiert.

Ok, die Aussage, dass sich in diese Garküche nur wenige Touristen verirren, muss ich etwas relativieren: wenige Touristen außer uns, einem sichtlich der Knabenliebe verfallenen ältlichen Landsmann mit seinem mandeläugigen Adlatus… aber immerhin: es waren keine Franken dabei!

Geschmeckt haben die vergammelten Eier auch garnicht so schlecht, ok, der Dotter war ziemlich grün und das Eiweiß eher durchscheinend.

… Akku ist leer, Fortsetzung folgt …

Hot Lips

Ich sitze jetzt hier bei kuschlig warmen 30 + x Grad Celsius auf der Terrasse unseres Hotels und warte auf Birgit. Gerade ist ein weiterer Bus deutscher Pauschaltouristen angekommen. Für die meisten ist Bangkok übrigens nur eine 2- oder 3-tägige Etappe, danach geht’s dann weiter zu den üblichen Destinationen (Pukhet, Pataya, Schreibweise jeweils ohne Gewähr).

Heute steht ein Besuch im königlichen Palast auf unserem Programm, doch der Reihe nach, also erstmal zu gestern. Das Buffet-Frühstück würde ich als „nett“ bezeichnen (und wir wissen ja, wessen kleine Schwester „nett“ ist). Besonders erwähnenswert ist das Thema Saft. Eine Erfahrung, die wir schon in verschiedenen Ländern (Spanien, Kuba, Italien, Kroatien und jetzt eben auch Thailand) gemacht haben: in diesen Ländern, wo die reifen Orangen einfach so am Straßenrand vom Baum fallen und dort unbeobachtet vor sich hin faulen, schmeckt der zum Frühstück gereichte Saft immer wie eine aufgelöste Brausetablette. Ok, um genau zu sein wie eine aufgelöste Brausetablette mit ordentlich Zucker- und Farbstoffzusatz. Und zum Thema Kaffee: egal ob im benachbarten Elsass oder am anderen Ende der Welt: bei nichts werden kulturell-kulinarische Unterschiede so deutlich wie beim Kaffee oder beim Brot. Letzteres gibt es hier nicht, als Beilage verspeist man zu jeder Tageszeit Reis, zum Frühstück gibt es gerne mal ein Curry. Und ersteres schmeckt nicht, aber damit muss man sich abfinden …

… gleiche Stelle, 9 Stunden später, immernoch warm, dafür jetzt mit Bier: den Königspalast haben wir zwar gesehen, aber nicht betreten: um 15:30 Uhr heißt es dort Feierabend. Aber es gilt: aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Doch zurück zu gestern: nach dem bereits beschriebenen Buffet-Frühstück hat uns eine ganz gewiss Jetlag-bedingte Müdigkeit übermannt, so dass wir einen nicht unerheblichen Teil des Tages in unserer auf akkurat 18 Grad klimatisierten Kammer verbracht haben. Für den geplanten Besuch im Königspalast war es damit definitiv zu spät (kommt das jemand bekannt vor?), so dass wir beschlossen haben, den Rest des Tages in einem Einkaufszentrum zu verbringen. Mit dem Begriff Einkaufszentrum, oder neudeutsch Mall, verbinden wir in erster Linie unser RNZ. Mein erster Besuch im CentrO in Oberhausen ließ mich schon regelrecht Bauklötze über dessen Größe staunen. Gegen das MBK ist das aber immernoch ein Tante-Emma-Laden: allein die Abteilung, wo man neben Handys auch verwandte Dienstleistungen (z.B. Jailbreak) oder Wunsch-Telefonnummern (die teuerste, die wir gesehen haben, kostet umgerechnet rund 12.500 EUR) erwerben kann, ist länger als die Weinheimer Fußgängerzone.

Und weil es auf dem Weg lag, machten wir auf dem Rückweg zum Hotel einen Zwischenstopp bei dem berühmten Nachtmarkt von Pat Pongh, dem Inbegriff von „the world’s dark oyster“, wie es im titelgebenden Lied heißt. Die Auswahl zwischen verschiedenen Pussy-irgendwas-Shows und gefälschten Markenartikeln aller Art war tatsächlich berauschend, oder war nur das Bier berauschend und die Auswahl verstörend??? Auf jeden Fall war der Höhepunkt unseres Besuchs ein All-You-Can-Eat Buffet für die Fische, die wir für 150 Barth für eine viertel Stunde an unseren Füßen knappern ließen.

Da wir unser Geld nicht anderweitig an den Mann/ die Frau (die Unterscheidung fällt auch nicht immer so leicht) bringen konnten, haben wir uns statt dessen lieber auf dem Heimweg in einer sehr rustikalen Garküche für 240 B mal so richtig den Magen vollgeschlagen. Das Essen war ebenso scharf wie lecker, aus der rückblickenden Perspektive kann ich aber sagen, dass es zwei Mal brennt.

ich sag mal der Rest vom Tage davon

Jetzt sitzen wir beim Buffet-Frühstück mit einer Tasse Instant-Kaffee und einem Glas Zuckerbrühe mit Aroma- und Farbstoffen.

Nochmal zurück zur Reiseleitung: Tamagotschi 3, so haben wir sie spontan getauft, gab uns noch einige „wertvolle Tipps“ mit auf den Weg: esst nichts von Verkaufsständen am Straßenrand (zu spät!), lasst Euch von Taxifahrern nicht über’s Ohr hauen (wer hätte das gedacht?) und verpackt erworbene Fläschungen (sic!) wegen des Zolls so, dass sie wie gebraucht aussehen (mach’ Sachen!).

Auf die, ich sag mal fakultativen Angebote davon, z.B. ein landestypisches Abendessen gemeinsam mit der kleinen Freakshow, haben wir, ich sag mal, gerne verzichtet davon.

Statt dessen haben wir dem benachbarten 7-Eleven (wir haben gelernt: ich sag mal 7 als Zahl und Eleven englisch als Wort davon) noch einen Besuch abgestattet und unsere Studien über die einheimische Braukunst fortgesetzt. Darüber müssen uns wohl mal kurz die Augen zugefallen sein. Als uns die Rezeption freudig die Ankunft unseres Gepäcks verkündete war der Abend auf jeden Fall schon ziemlich fortgeschritten. Eingedenk der Warnung von ich sag mal Tamagotschi 3 davon ließen wir, von einem kleinen Tintenfisch-Spießchen abgesehen, die fliegenden Händler links liegen und beendeten unseren ersten Tag stilvoll in einer Garküche mit ich sag mal angeschlossener Karaoke-Bar mit Reis, Fleisch, Meeresfrüchten, Bier und musikalischer Unterhaltung davon.

Die Hölle ist mit deutschsprachiger Reiseleitung vor Ort

So, die ersten 2 Tage haben wir hinter uns. Wir sitzen kurz vor Mitternacht bei spürbar über 30 Grad vorm Hotel, haben uns im benachbarten 7-Eleven noch ein paar kühle Bierchen geholt und lassen die vergangenen Tage nochmal Revue passieren.

Los ging’s vor einer gefühlten Ewigkeit im nicht ganz so warmen, dafür umso jeckeren Rheinland. Der Flughafen Düsseldorf ist auf eindeutig mehr ausgelegt als auf einen Fassnacht-Sonntag-Nachmittag: der Ausdruck „tote Hose“ dürfte ganz gut passen.

Unser Flug war der einzige, der mit nominell ca. 30 Minuten Verspätung angekündigt wurde. Bis wir dann Richtung Istanbul in der Luft waren hat sich die Verzögerung auf fast 1 ½ Stunden kumuliert, was uns mittlerweile dann doch etwas beunruhigte, da wir für’s Umsteigen etwas weniger als 90 Minuten Zeit hatten.

Unser bisher einziger Aufenthalt im früheren Konstantinopel lässt sich daher ziemlich knapp zusammenfassen: nach dem Aussteigen wurden wir (als einzige) von einem Agenten in Obhut genommen und durch die verworrenen Innereien des Flughafens auf dem kürzesten Weg zu unserem Abflug-Gate gebracht. Und das war keine Minute zu früh! Leider war unser Gepäck nicht ganz so schnell, hat wohl keinen persönlichen Führer gehabt, doch dazu später mehr.

Vorher nochmal zurück nach DüDo: dort hatten wir ungleich mehr Zeit. Besonders bei Reisen in Länder mit kritischen hygienischen Umständen (also außerhalb der D-A-CH Region) empfiehlt sich eine gründliche Desinfektion des Verdauungstrakts. Die dazu nötigen Mittel lassen sich relativ günstig zollfrei am Abflug-Flughafen erwerben. Um Komplikationen bei der Einreise zu vermeiden haben wir uns natürlich vorher über die einschlägigen Bestimmungen erkundigt: bei der Einreise nach Thailand darf je Nase 1 Liter Elixier eingeführt werden, die Wirkstoff-Konzentration darf dabei aber 40% nicht übersteigen, so zumindest die Aussage auf der erst-besten Internet-Seite.

Mit diesem Wissen bestens gerüstet haben wir je einen Liter Wodka und Gin erworben. Leider haben wir erst nachträglich und eher zufällig festgestellt, dass es sich beim Gin um eine „traditionelle Abfüllung“ mit 47% Alkohol handelt. Nach kurzer Gewissensprüfung und angesichts der Tatsache, dass das Boarding weiter auf sich warten ließ, haben wir beschlossen, die Flasche gegen eine minderwertigere, aber gesetzes-konforme 40%-ige umzutauschen. Noch etwas später stellte Birgit fest, dass die 40%-Regel seit 2009 nichtmehr gilt. So ist das halt: das Internet vergisst nichts!

Der Flug nach Istanbul verlief unspektakulär, die Zeit zum Umsteigen war ziemlich knapp, aber das hatten wir ja schon.

Allen Witzen über Bordverpflegung vom Dönerspieß (mit Alles und Scharf) und Stewardessen mit Damenbart zum Trotz muss ich sagen, der Flug mit Turkish Airlines war in Punkto Komfort und Genießbarkeit der Bordverpflegung mit Abstand der Beste, den wir bis dato hatten. Und trotzdem: 13 Stunden Flug sind 13 Stunden Flug und so waren wir glücklich, endlich asiatischen Boden unter den Füßen zu haben.

Einschub: die nächtlichen Temperaturen locken nicht nur Touristen an, sondern auch Blutsauger. Daher flüchten wir jetzt mit juckenden Unterschenkeln in die klimatisierte Hotel-Lobby.

Doch jetzt zurück zu unserer Ankunft: der Flug war, soweit das ein Flug in der Economy Class eben sein kann, angenehm, die Einreiseformalitäten verliefen auch erwartungsgemäß unkompliziert. Leider warteten wir am Gepäck-Karusell aber vergebens auf unser Gepäck. Irgendwie hatten wir damit ja fast gerechnet. Die Dame am „vermisstes-Gepäck-Schalter“ nahm unsere Anfrage (sowie die einer weitern Handvoll Mitreisender) geduldig auf und versprach uns, dass Gepäck würde im Laufe des Nachmittags ins Hotel nachgeliefert werden.

Derart unbelastet hatten wir auch kein Problem beim Zoll, da hätten wir auch die Flasche 47%-igen mitnehmen können … ach ja, das hätten wir ja ohnehin.

Sehr zu unserer positiven Überraschung wartete hinter dem Ausgang ein Thai der ein Schild mit „Meyer’s Reisen“ hochhielt. Als wir uns auf ihn zubewegten strahlte er und begrüßte uns mit „G-R-A-M-L-I-C-H-S-C-H-M-I-E-D-E-L?? – Endlich!“. Sein Deutsch war sehr gut, und die Tatsache, dass er an jeder Hand nur 2 Finger hatte, irritierte nur Anfangs etwas. 40 Minuten später lieferte er uns unbeschadet im gebuchten Hotel ab.

Zunächst wurden wir informiert, dass unsere deutschsprachige Reiseleitung an diesem Abend um 17 Uhr Audienz in der Lobby hält. Danach durften wir unser Zimmer beziehen. Auf eine Dusche verzichteten wir, da uns der Gedanke, erfrischt in die gebrauchten Klamotten zu steigen (zur Erinnerung: unser Gepäck war noch irgendwo unterwegs) wenig erregte. Dafür haben wir uns beim benachbarten 7-Eleven erstmal mit erfrischender Cervezia eingedeckt (Beer Chang, 6,5% alc, verursacht laut Reiseführer einen legendären Kater).

Nach dieser Erquickung haben wir uns dann aufgemacht, das Viertel zu erkundigen. Die erste größere Komplikation stellt dabei der Verkehr dar: ersten guckt man immer in die falsche Richtung (Linksverkehr), zweitens sind die Gehwege oft nur eine Anmutung solcher und drittens ist die Verkehrsdichte unglaublich hoch: ein wildes Gewimmel von Autos, Bussen, Taxis, Mofas, Rollern und Klein-Motorrädern. Hier gilt eindeutige „Stärke vor Recht“.

Auf unserem Weg haben wir uns mit undefinierten Fleisch-Spießen (evtl. Schweine-Arschloch?) und frittiertem Obst (sehr lecker!) von fliegenden Verkaufsbuden am Straßenrand gestärkt. Das unsere Durchfall-Tabletten sich beim restlichen Gepäck noch auf der Reise befanden fiel uns erst später ein, aber was soll’s: no risk, no fun!

Pünktlich, naja gut, mit minimaler Verspätung, sind wir gegen halb sechs dann bei der Audienz der Reiseleitung aufgeschlagen. Da das ja unsere erste Pauschalreise ist hatten wir keine Ahnung, was uns wohl erwarten würde. Auf jeden Fall waren wir doch ziemlich gespannt und erwartungsvoll. Zum Glück waren wir zu spät, so blieb uns wenigstens die peinliche Vorstellungsrunde erspart. Die Gesellschaft, die uns erwartete, erinnerte uns spontan an die Insassen eines Tommy-Jaud-Romans: ein paar alte, ein Harley-Fahrer (behauptete zumindest sein T-Shirt) mit seiner Braut, ein Bodybuilder, der sich erfolgreich mit Hormonen enthirnt hatte, seine Schnitte und 4 Pfälzer Landeier. Vorsitz hatte eine engagierte Thai, die jeden Satz mit dem Ausdruck „ich sag mal“ einleitete und mit dem Partikel „davon“ endete. Den Höhepunkt dieser Veranstaltung lieferte Schwarzenegger jr. mit der Frage, ob man bei der Thai-Massage auch mal richtig „druff“ dürfte. Verschärfter Fremdschäm-Alarm.

So, Akku ist leer, morgen geht’s weiter …

jetzt auch materiell …

… eben habe ich im Briefkasten die Reiseunterlagen gefunden. Das hat schon was erhabenes: ein Scheckheft mit ganz dünnen Seiten, die irgendwie offiziell aussehen, fast wie Pergament. Und darin dann unsere Tickets mit so kryptischen Texten wie SCHMIEDEL/ OLIVER MR(ADT)  DUS  BKK  IST 75VSXC/1A. Das atmet doch irgendwie noch den Geist der Tage, als Fliegen noch ein Luxus für die Reichen und Schönen war … und das Beste: man muss es nichtmal selber ausdrucken!

PS: ein Reise-Sicherungsschein war leider nicht dabei!

Ein Novum!

Ich halte ihn in den Händen. Ok, nicht körperlich, doch immerhin elektronisch-virtuell: meinen ersten Reise-Sicherungsschein! Will sagen: wir haben unsere erste Pauschalreise gebucht.

Und dass Pauschalreisen keineswegs langweilig sein müssen zeigt schon die Buchung: die einschlägigen Portale, u.a. das von unser aller Ex-Nationalmannschaftkapitän beworbene, locken mit massenhaft attraktiven Angeboten zur letzten Minute. Doch statt eines „Buchen“-Buttons findet man nur einen mit „Prüfen“. Und ein Klick darauf führt zur Ernüchterung:

Als erstes offenbaren sich einem allerlei handwerkliche Fehler und technische Probleme: in den meisten Fällen wird das Prüf-Ergebnis am Anfang der Seite ausgegeben, so dass man es entweder garnicht sieht oder die Seite automatisch nach oben scrollt, so dass man nichtmehr weiß, wo man war. Oder aber die Prüfung verläuft nach gefühlt ewiger Wartezeit erfolglos, so dass einem nahegelegt wird, das Angebot ohne Aussage über Preis und Verfügbarkeit verbindlich offline zu buchen.

Und damit wären wir beim nächsten Punkt: wenn man denn dann mal irgendwann ein Ergebnis der Verfügbarkeitsprüfung irgendwo angezeigt bekommt lautet das üblicherweise „diese Reise ist leider ausgebucht“. Oder es gibt eine minimale Preiserhöhung gegenüber dem Angebot der Auswahlseite, z.B. um 350%.

Zwischenzeitlich schlagen dann auch die handwerklichen Fehler wieder zu und das Portal vergisst die Suchanfrage, so dass man sich über ein verfügbares, günstiges Angebot freut und erst bei der Verbindlichen Buchung zum Glück bemerkt, dass der Reisezeitraum im Ausgust 2013 liegt. Oder statt Thailand Alaska gewählt wurde.

Wie dem auch sei: nicht zuletzt dank Birgits Hartnäckigkeit und des vergleichsweise gut gemachten Portals von HolydayCheck haben wir es dann guterletzt doch noch geschafft: am Sonntag soll’s losgehen, ab DüDo via Istanbul nach Bangkok. Ein Linienflug mit Turkish Airlines. Das Hotel hat uns ein Kollege von Birgit empfohlen, dessen Mitbewohner Saftschubser ist und der damit in solchen Fragen höchsten Respekt genießt . Das Ibis ist wohl zentral gelegen und frei von Bettgenossen jeglicher Art (Wansen, Schaben, Prostituierte, …).

3 Tage nach dem ich die Flüge nach Japan gebucht hatte kam damals der Tsunami mit all seinen Folgen. Diesmal war es nur wenige Stunden nach der Buchung, als in Bangkok die Bomben explodierten. Aber was soll’s: no risk, no fun, außerdem sterben die meisten Leute ja bekanntlich im Bett. Und schlussendlich kann uns auch garnix passieren, da es keine Reisewarnung des Auswärtigen Amts gibt. Immerhin gilt die Region um Bangkok als Malaria-frei.